Gute und schlechte Kinderbücher zum Ramadan

Gute und schlechte Kinderbücher zum Ramadan

Gute und schlechte Bücher zum Ramadan

Es gibt gute und schlechte Kinderbücher zum Ramadan. Heute zeige ich Euch wieder eine kleine Auswahl, denn passend zum Ramadanbeginn nächste Woche habe ich natürlich wieder einige Bücher gekauft, um unsere Ramadanbibliothek zu erweitern. Leider war dieses Mal auch eine echte Enttäuschung dabei. Aber lest selbst.

„Levent und das Zuckerfest“ –

Interkulturalität gerne, aber nicht so!

Levent und das Zuckerfest

Das Buch „Levent und das Zuckerfest“, das in der Reihe „Alle Kinder dieser Welt“ im Carlsen Verlag erschienen ist, erinnert vom Format und von der Haptik an ein Pixie Buch im Großformat. Daher rechtfertigt sich auch der unschlagbare Preis von 3,99 € für 23 Vorleseseiten. Die Reihe „Alle Kinder dieser Welt“ greift das große Thema der Interkulturalität für das kindliche Verständnis greifbar auf und vermittelt spielerisch fremde Kulturen und Bräuche. So der Tenor. Doch jetzt kommt das große ABER.

Allerdings möchte ich für dieses Buch KEINE Kaufempfehlung aussprechen. Es ist zwar mit hübschen Illustrationen versehen und hat augenscheinlich eine große Anziehungskraft, allerdings finde ich es inhaltlich wirklich schlecht. Zum einen stört mich, dass die Geschichte bereits negativ konnotiert beginnt. Die muslimischen Kinder Levent und Emine werden aufgrund des Ramadans übermüdet in den Kindergarten gebracht, weil sie „[e]inen ganzen Monat mitten in der Nacht mit den Erwachsenen wach bleiben [dürfen]“ [Ebd. S.4] Der Höhepunkt ist, dass Levent im Morgenkreis einschläft.

Kinderbuch Levent und das Zuckerfest

Ich möchte gar nichts schön reden. Ich bin mir sicher, dass es solche Zwischenfälle mit Sicherheit gibt. Allerdings sollte doch gerade diese Art von Kinderliteratur dazu dienen einen objektiven Eindruck zu verschaffen. Wie kann ich ein Buch in einer Reihe herausgeben, die es sich augenscheinlich zur Aufgabe gemacht hat Integration und Interkulturalität zu fördern und dann auf visueller und textueller Ebene thematisieren, dass im Ramadan für Kinder die Nacht zum Tag gemacht wird? Zu allem Überfluss werden sie dann auch noch in den Kindergarten geschickt, obwohl sie unter offensichtlichem Schlafmangel leiden. Mir fehlen die Worte!

Außerdem berichtet Emine „Wir Muslime haben Ramazan Beyramı. – Das ist türkisch für Ramadan […]. [Ebd.] Zum einen steckt ein Rechtschreibfehler in dieser Aussage, denn es hieße „Ramazan Bayramı“. Zum anderen ist damit im türkischen Sprachgebrauch nicht der Fastenmonat Ramadan gemeint, sondern das Fest, das im Anschluss, gefeiert wird. 

Hier stimmt einiges nicht

Im weiteren Verlauf der Geschichte erlebt Levents Freund Tom die letzten Tage des Ramadans inklusive des „Zuckerfests“ mit Levents Familie. Zuckerfest bedarf meiner Ansicht auch mal einer Erneuerung, denn der religiöse Bezug fehlt mir bei diesem Ausdruck vollkommen. Die Kinder müssen also, obwohl sie in den Kindergarten gehen, nachts aufstehen, um bei den Nachbarn ein großes Frühstück einzunehmen. Sehr unrealistisch meiner Erfahrung nach. Wer nimmt bitte an einem Werktag, im normalen Arbeitsrhythmus ein Sahoor in solchem Ausmaß bei den Nachbarn ein?

Bevor es am Morgen in den Kindergarten geht, bekommen Tom und Levent übrigens nichts mehr zum Essen. Dafür sei die Zeit zu knapp. Aus rein elterlicher Aufsichtspflicht finde ich diesen Ablauf schon fragwürdig. 

Die Geschichte endet mit dem großen Fest, das auch hier wieder vor Rechtschreibfehlern strotzt. Wenn man sich dazu entscheidet Begriffe in ihrer Originalsprache einzubinden, dann bitte richtig. Die religiöse Komponente bleibt hier völlig außen vor. Die Mutter erklärt kurz in einem Satz, dass Muslime fasten, damit Gott ihre Sünden vergebe. [Ebd. S.13]. Das mag vielleicht mit eine Intention des Ramadan sein, allerdings ist die Sinnhaftigkeit dieses Monats viel mehr als das. Es hat viel mehr mit der Selbsterziehung, der Selbstreflexion und der Nächstenliebe zu tun. Darüber hinaus könnte ich jetzt noch 50 mehr Dinge nennen, die über die Sündenvergebung hinausgehen.

Levent und das Zuckerfest Bayram
Warum tragen im Übrigen immer nur Omas ein Kopftuch?

Das Buch „Levent und das Zuckerfest“ reduziert den Fastenmonat Ramadan auf eine stigmatisierende Weise. Man merkt dem Buch einfach an, dass es von jemanden geschrieben wurde, der weder Muslim ist, noch ansatzweise etwas mit der türkischen Kultur zu tun hat. Umso trauriger finde ich es, dass Cem Özdemir diesem Buch ein Grußwort widmet. Außerdem verweist das Buch darauf, dass der Inhalt mit dem Zentralrat der Muslime abgestimmt worden sei. Ich frage mich, wie dabei solche Texte für Kinder entstehen können?

Ich werde dieses Buch mit einem ausführlichen Kommentar zurückschicken. Auch, wenn ich das Buch selbst gekauft habe. Absolut keine Kaufempfehlung!

 

Erzähl mir MEHR über RAMADAN“ –

Liebe auf den zweiten Blick

Das Buch „Erzähl mir mehr über Ramadan“ ist die Geschichte von Laila, die in diesem Buch gemeinsam mit den Lesern und Vorlesern von der Bedeutung des Fastenmonats Ramadan erfährt. Das Buch im quadratischen Format hat einen sehr dünnen Einband, was sich aber im günstigen Preis widerspiegelt.

Buch aufgeschlagen Iftartisch

Nachdem Laila mitten in der Nacht von Geräuschen aus der Küche geweckt wird, wird sie neugierig und findet ihre Familie essend am Tisch vor, was sie ebenso stark verwundert, wie dass am nächsten Morgen niemand mit Ihr gemeinsam isst. Am Abend des selben Tages empfängt die Familie viele Freunde und Familienangehörige zum großen Fastenbrechen. Laila ist begeisterte und liebt es in einer großen Gemeinschaft zu essen. Nachdem sie gemeinsam zum Gebet die Moschee aufgesucht haben, hat Laila Fragen über Fragen, die ihr Vater ihr nun ausführlich erläutert. Dabei wird der religiöse Aspekt und der tiefere Sinn des Ramadans in kindlicher Sprache auf 10 Seiten erklärt, was mich wirklich beeindruckt hat.

Buch aufgeschlagen Vater und Tochter

Obwohl ich anfangs skeptisch war und die erste Hälfte des Buches kritisch gelesen habe, da mir der kausale Zusammenhang als zu primitiv erschien, muss ich sagen, dass mich die Erklärungen des Vaters über den Monat Ramadan umgestimmt haben. Denn hier wird betont, dass Fasten viel mehr ist als der bloße Verzicht von Essen und Trinken. Es geht um Spiritualität und Nächstenliebe. Um Selbstdisziplin und die Entstehung des Qurans. Ein Buch, das mit seiner Intention überzeugt.

 

Night of the Moon – A Muslim Holiday Story“ –

So und nicht anders

Night of the moon

Das Buch „Night of the Moon – A Muslim Holiday Story“ ist ein englisches Kinderbuch, das bisher leider noch nicht übersetzt ist. Nichtsdestotrotz habe ich es bestellt, weil mich bereits im letzten Jahr englischsprachige Kinderbücher zum Ramadan begeistert haben. So auch dieses. Auch, wenn es in deutscher Sprache nicht erhältlich ist, ist es relativ einfach die Sätze zu verstehen. Wenn ich langsam lese, schaffe ich es simultan zu übersetzen. Eine weitere Möglichkeit wäre es aber sich die deutsche Variante einfach abzutippen, auszudrucken und zu überkleben. Wahrscheinlich werde ich darauf zurückgreifen, sobald das Buch mehrfach zum Einsatz kommt in den nächsten Wochen.

Die Geschichte handelt von Yasmeen, einem Mädchen, das sich auf die Reise begibt den Mond zu suchen und  zu verstehen. Nachdem Yasmeens Mutter sie eines Abends darum bittet den Mond genauer zu betrachten und Ihr die Bedeutung des Mondes im islamischen Kalender erklärt, berichtet sie, dass nun der heilige Monat Ramadan, der wichtigste Monat für Muslime, beginne. Auch in der Schule besprechen sie die anstehende Fastenzeit und Yasmeen ist stolz, dass sie schon mit einigem Vorwissen trumpfen kann. Im weiteren Verlauf lernt Yasmeen mehr und mehr die Bedeutung und die Werte des Ramadans kennen.

Night of the moon aufgeschlagen Iftartisch

Das Gesamteindruck überzeugt einfach

Das familiäre Fastenbrechen, die Gebete in der Moschee und die Nächstenliebe, die dieser Monat mit sich bringt, stehen im Fokus dieser Geschichte. Während dessen behält sie stets den Mond und seine Veränderungen im Auge. Vom Vollmond über den Neumond, bis schließlich hin zum Ramadanfest . Ihr Festgeschenk ist dann schließlich eine ganz besondere Überraschung, mit der sie in den kommenden Jahren den Mond noch besser beobachten kann.

Night if the moon aufgeschlagen Teleskop Vater und Tochter

Besonders in den Fokus zu stellen ist an diesem Buch auch das Vor- und Schlusswort. Hier wird zum einen für nicht-muslimische Leser beschrieben warum der Mond im Islam eine wichtige Rolle spielt und vor allem werden Definitionen für Begrifflichkeit aus dem islamischen Wortschatz gegeben.

Night of the moon Glossar

Nicht zu vergessen sind übrigens die Illustrationen. Einzigartig und einfach nur schön. Ein Buch, das trotz englischer Sprache eine absolute Kaufempfehlung ist.

 

Es gibt eben gute und schlechte Bücher zum Ramadan. Trotzdem möchte ich darauf Aufmerksam machen, dass es natürlich meine eigene und persönliche Wertung ist. Die Meinungen können natürlich variieren. Falls Euch die Bücher interessieren, habe ich sie Euch natürlich verlinkt. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen. Falls Ihr auf der Suche nach noch mehr Kinderliteratur zum Ramadan seit schaut doch gerne bei meinen Buchempfehlungen aus dem letzten Jahr vorbei und werft unbedingt einen Blick auf die tollen Erzählkarten zum Ramadan.

Viele liebe Grüße und Selam

Eure Vanessa

8 Kommentare zu “Gute und schlechte Kinderbücher zum Ramadan

  1. Annika Cherrat sagt:

    Vielen Dank für diese Rezensionen. Wir haben das erste Buch und ich habe es auch immer mit gemischten Gefühlen gelesen. In erster Linie, weil für uns der türkische Bezug nicht passt (wir sind eine binationale Familie mit arabischer Abstammung). Deine Analyse der Geschichte ist aber total treffend und hat mir klar gemacht, was auch mich von Anfang an gestört hat, ich aber irgendwie nicht ganz fassen konnte.
    Viele Grüße Annika

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Ich bin so froh, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Das Buch ist vom Tisch und wir greifen nun auf die immer zahlreicher erscheinenden großartigen islamischen Kinderbücher zurück. 🙂
      Viele liebe Grüße
      Vanessa

  2. Refa Berisha sagt:

    Hallo Vanessa,

    ich war echt gespannt, welche Meinung du zu dem ersten Buch hattest. Ich habe es auch vor 2 Jahren gekauft und war genauso enttäuscht wie du.
    Es schilderst absolut nicht den Monat Ramadan.
    Wenn ich Folgendes leise hinzufügen darf: Ich persönlich finde es generell nicht gut den Islam ausschließlich mit einem Volk zu verbinden. Es hatte mich auch gestört, dass in dem Buch „nur“ türkische Begriffe erwähnt werden (ich selbst habe natürlich nicht bemerkt, dass auch Rechtschreibfehler drin waren, da ich keine Türkin bin).
    In Deutschland wird der Islam immer sehr schnell nur mit der Türkei in Verbindung gebracht. Auch die kulturelle Tradition des Handkusses wird in dem Buch als muslimische Tradition verkauft.
    Wie du richtig vermutest, hat sich hier jemand leider überhaupt keine Mühe gemacht, den heiligen Monat und das darauffolgende Fest kindgerecht darzustellen. Wobei es auch für Erwachsene nicht wirklich naheliegend rübergebracht wird 🙂

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Hallo meine Liebe,
      ich gebe Dir so Recht. Der Islam ist nicht auf ein Volk und eine Kultur eingeschränkt, sondern umfasst so viel mehr, was ihn eben auch zu etwas Besonderem macht. Einfach nur zu pauschalisieren ist das Werk von jemanden, der, wie Du auch schreibst, sich keine Mühe macht selbst zu denken. Es ist so schade! Aber ich bin guter Dinge. Es sind mittlerweile grandiose Autoren und Autorinnen am Werk, die auch ohne Verlag und ohne vergebenes Konzept publizieren und tolle islamische Kinderbücher schreiben.
      Viele liebe Grüße
      Vanessa

  3. Sebina sagt:

    Selam Alejkum liebe Vanessa,
    Ich bin begeistert von deinem Blog. Toll das du das machst. Bin durch zufall auf deine Seite gestoßen, muss gleich meinen Freunden weiter schicken 🙂
    Weiter soooo

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