Buchempfehlungen für muslimische Mütter

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Titelbild

„Buchempfehlungen für muslimische Mütter“ klingt etwas kategorisch, ich weiß. Aber das Kind brauchte einen Namen 🙂 . Selbstverständlich sind die hier vorgestellten Bücher gleichermaßen lesbar für alle anderen Religionszugehörigkeiten, Ethnien und natürlich auch für Väter, Omas, Opas etc.. Zumal nur drei der insgesamt fünf Bücher tatsächlich islamischen Content besitzen, für Eltern aber alle ausgesprochen lesbar sind.

Da ich immer wieder nach Buchempfehlungen gefragt werde, möchte ich Euch heute meine Top 5 Bücher vorstellen. Dabei möchte ich betonen und vorweg greifen, dass die Meinungen, die in den Büchern vertreten sind, nicht deckungsgleich mit meinen Ansichten sein müssen. Ich habe die Auffassung, dass auch konträrer Inhalt dazu beitragen kann, sich selbst in seinen gedanklichen Strukturen neu zu sortieren. Manchmal führt das eben dazu, dass man Ansichten überdenkt und über Bord wirft, manchmal verfestigt sich die eigene Perspektive aber auch. Ich möchte also niemanden belehren, eine Meinung oder gar ein Label aufzwingen. Es hilft aber in der Regel über den Tellerrand hinauszuschauen, um einen umfassenden Blick zu gewinnen.

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Bücher neben Blumen

Buchempfehlungen für muslimische Mütter – here we go:

Im folgenden findet Ihr nun also Bücher, die ich gerne und zum Teil auch mehrmals gelesen habe, weil ich sie als sehr inspirierend und bereichernd empfinde. Die Reihenfolge hat nichts mit der Wertigkeit der Bücher zu tun. Den Link zu den einzelnen Exemplaren findet Ihr jeweils in der Überschrift.

Frühkindliche islamische Erziehung

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Frühkindliche islamische Erziehung
Bint Najmaddin, Umm Safiyyah: Frühkindliche islamische Erziehung. Ein Ratgeber für die ersten fünf Lebensjahre. Düsseldorf 2014.

Ein Buch, das definitiv in die Kategorie „Buchempfehlung für muslimische Mütter“ passt, ist dieses hier. Das Buch „Frühkindliche islamische Erziehung. Ein Ratgeber für die ersten fünf Lebensjahre“ von Umm Safiyyah bint Najmaddin ist ein als Leitfaden konzipiertes Werk, das Hilfestellung in der kindgerechten islamischen Entwicklung geben soll. Die Autorin gibt Antworten auf die Fragen, wie Eltern das Potential ihrer Kinder erkennen und dieses mit einem Fundament aus islamischen Werten stabilisieren können.

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel, in denen es, grob zusammengefasst, darum geht wie ich als Elternteil ein zu Hause schaffen kann, in dem der Islam wahrnehm- und spürbar ist, um mein Kind in seiner Persönlichkeitsentfaltung zu unterstützen. Dabei spricht die Autorin Themen wie die allgemeine  Rolle der Eltern, die intellektuelle Förderung oder die Struktur im Familienalltag an.

Es werden alltägliche Situationen aus dem familiären Kontext aufgegriffen und eine Referenz zum Islam hergestellt. So betrachtet die Autorin beispielsweise Konfliktsituationen objektiv und legt Qur’an und Sunna als eine Schablone über die Situation, um zu entscheiden, was aus islamischer Perspektive der richtige Handlungsweg wäre. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass einige meiner Betrachtungsweisen mit denen der Autorin kollidieren. Nichtsdestotrotz finden sich überwiegend hilfreiche und lesenswerte Punkte in diesem Buch, weshalb ich es schließlich auch empfehle. Eine Meinung sollte sich jeder zu kritischen Aspekten selbst bilden.

Papa, was ist der Islam?

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Papa, was ist der Islam?
Ben Jelloun, Tahar: Papa, was ist der Islam? Gespräch mit meinen Kindern. Berlin 2013.

Der Titel dieses Buches passt nicht ganz zu dem dieses Blogposts, aber ich hatte ja bereits oben angemerkt, dass selbstverständlich auch Väter von diesem Beitrag profitieren dürfen. 🙂

„Papa, was ist der Islam?“ ist ein Buch, das aus der Perspektive eines Vaters berichtet. Dabei erklärt er seinen Kindern die historische Entwicklung des Islams und bezieht sich aber ebenso auf die durch 9/11 entstandenen Vorurteile, die Ignoranz und den Imageschaden, den der Islam hat erleiden müssen. Ausgetragen auf dem Rücken von Millionen friedlich praktizierenden, gläubigen Muslimen. Im Anhang finden sich außerdem interessante Vorträge und Essays zu aktuellen Themen mit islamischem Schwerpunkt.

In neun Kapiteln, die neun Tagen gleichgesetzt sind, gibt das Buch den Gesprächsverlauf des Vaters mit seinen Kindern wieder. Dabei berichtet er von der Entstehungsgeschichte des Islams, der Berufung des Propheten Muhammad s.A., aber auch über das goldenen Zeitalter der Araber, über den Einfluss der Muslime in Südspanien, bis hin zum osmanischen Reich. Dabei klärt er im Leseverlauf immer wieder definitorische Grundlagen und geht auf die infantilen philosophischen Fragen der Kinder ein, die immer wieder einhaken und nicht recht verstehen, was der Vater da alles erzählt. Fragen, die man als erwachsener Leser sich sinnbildlich vor dem geistigen Auge Revue passieren lassen muss. Sie sind teils so tiefsinnig, obgleich die Begriffe uns in unserem Alltagsvokabular scheinbar geläufig und die Definitionen uns eigentlich bekannt sein müssten. Gerade deswegen hat mich das Buch sehr bewegt.

Auch hier gibt es immer wieder Stellen, bei denen ich dem Autor gänzlich widersprechen würde und mir sogar dicke rote Ausrufungszeichen an den Rand geschrieben habe. Trotzdem halte ich es für sinnvoll sich mit Diversität zu beschäftigen und anzuerkennen, dass nicht jeder die Dinge so sieht, wie man selbst. Man befindet sich aber trotzdem auf der selben wertschätzenden Ebene. Daher ist das Buch eine Kaufempfehlung.

Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Warum französische keine Nervensägen sind
Druckerman, Pamela: Warum französische Kinder keine Nervensägen sind. Erziehungsgeheimnisse aus Paris. München 2013.

Ein Buch, das ich das erste Mal gelesen habe, als ich noch keine Kinder hatte. Der Titel hat mich damals einfach gepackt. Und ich muss gestehen, je länger ich Mutter bin und je öfter ich das Buch lese, um so amüsanter finde ich es. Denn man findet sich einfach in so vielen Situationen wieder. Natürlich hat dieses Buch keinen islamischen Content, aber es präsentiert ein Familienleben einer anderen Kultur, was ich als Vergleich ziemlich spannend finde.

„Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ ist ein Erziehungsratgeber der anderen Art. Er überzeugt mit Selbstironie und vor allem ganz viel Humor. Die Autorin Pamela Druckerman berichtet in diesem Buch von ihren Erfahrungen als amerikanische Mutter in Paris, die sich nicht erklären kann, wie französische Mütter so unglaublich diszipliniert in ihrer Erziehung sein können. Wie schaffen sie es fürsorglich und emanzipiert zugleich zu sein, ohne ihr Kind zu vernachlässigen oder die eigenen Bedürfnissen in den Hintergrund zu stellen? In 16 Kapiteln veranschaulicht sie den Alltag einer Pariser Großstadtmutter und geht dabei unter anderem auf  Themen wie Schlafphasen, Essensgewohnheiten, Mutterschaft und Partnerschaft ein.

Das Buch ist die perfekte Lektüre nach einem gestressten Mamatag. Es ist nicht sonderlich anspruchsvoll geschrieben, was in diesem Kontext nicht abwertend gemeint ist, sondern vielmehr positiv. So schafft die Autorin es den humorvollen Unterton glaubwürdig zu transportieren. Ich habe tatsächlich mehrfach beim Lesen laut und herzhaft lachen müssen. Entgegen aller Meinungen bin ich jedoch froh keine französische Mutter zu sein. Aber lest selbst.

Unter dem Schleier DIE FREIHEIT

Buchempfehlungen für muslimische Mütter Unter dem Schleier DIE FREIHEIT
Hübsch, Khola Maryam: Unter dem Schleier DIE FREIHEIT. Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kann. Ostfildern 2014.

Ein Buch, das nicht zwangsläufig nur für Mütter geeignet ist. Ganz im Gegenteil. Unter dem Schleier DIE FREIHEIT von Khola Maryam Hübsch ist meiner Meinung ein Buch, das jeder einmal gelesen habe sollte. Unabhängig von Geschlecht und religiöser Orientierung. Denn hier geht es um ein Thema, das mitunter medial eine vollkommen falsche Message erhalten hat: Der Islam und Emanzipation seien gänzlich konträr.

Anschaulich, eloquent und vor allem überzeugend beschreibt die Autorin, dass eben dies nur ein Mythos ist. Dabei präsentiert sie einen objektiven Weitblick und erzeugt Kausalitäten, die ich vorher gar nicht in Zusammenhang gesetzt habe. Sie stellt die Frage wie frei, autonom und vor allem gleichberechtigt eine Frau in unserer sexualisierten Gesellschaftsform überhaupt sein kann. Welches Bild einer Frau wird erwartet und welche vorherrschenden Stereotype existieren eigentlich? Was kann eine stabile Partnerschaft zu einem emanzipierten Frauenbild beitragen und welche Funktion hat das Kopftuch überhaupt? Ein wirklich lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt.

Ich möchte hinzufügen, dass ich mit dieser Leseempfehlung nicht dazu auffordern möchte, dass jede muslimische Frau sich für ein Kopftuch zu entscheiden hat. Mir geht es vielmehr um das Konzept und um die Weitsicht,  die dieses Buch mit sich bringt. Es schafft eine grundlegende Ebene auf der Verständnis und Objektivität Platz finden und das ist es, was unsere Gesellschaft dringend braucht.

Die verkaufte Kindheit

Buchempfehlungen für islamische Mütter Die verkaufte Kindheit
Gaschke, Susanne: Die verkaufte Kindheit. Wie Kinderwünsche vermarktet werden und was Eltern dagegen tun können. München 2011.

Ein Buch, das ebenso gesellschaftskritisch zu lesen ist und genau den Nerv der Zeit trifft. In ihrem Buch „Die verkaufte Kindheit“ führt Susanne Gaschke an wie die Konsum- und Werbeindustrie bewusste Mittel einsetzen, um bereits Kinder als potentielle Kunden zu gewinnen. Wie wir als Eltern dagegen halten können, um dem vorherrschenden Massenkonsum die Stirn zu bieten, ist nur ein Aspekt, auf den sie ausführlich eingeht. In 10 Kapiteln wird ausführlich beschrieben, wie unsere Kinder bewusst unbewusst gelenkt werden. Wie Kinderwünsche vermarktet werden, um ein möglichst hohes Kapital daraus zu schlagen. Eine Manipulation, mit hohen Risiken.

Als ich das Buch las, war ich gleichermaßen geschockt wie erleichtert. Erleichtert, dass ich mich früh genug dazu entschieden habe, dem Konsumgehabe, das mit Kindern fabriziert wird, einen Riegel vorzuschieben. Geschockt, weil es noch mehr Ausmaße annimmt, als ich angenommen hatte.

Dieses Buch öffnet wirklich die Augen, zeigt wie schamlos man ausgenutzt wird und auf wessen Rücken das Ganze ausgetragen wird. Es ist erschreckend und traurig. Daher ist es mehr ein Anliegen, als eine Empfehlung, dieses Buch zu lesen und dessen Botschaft zu verinnerlichen. Es geht nicht um die hundertprozentige Umsetzung der Alternativen, sondern vielmehr um das Bewusstsein, das es weckt.

In eine ähnliche Richtung geht übrigens das letzte Wort zum Freitag, das hier auf dem Blog online ging. Warum Kinder Bücher brauchen. Denn „[w]er liest, ist für den Konsumkapitalismus ein Totalausfall“ (Ebd. S.221).

 

Ihr Lieben! Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick in meine aktuellen Lieblingsbücher geben und Euch haben die „Buchempfehlungen für muslimische Mütter“ gefallen. Vielleicht ist ja das ein oder andere Buch dabei, das Euer Interesse weckt. Lesenswert sind alle 5. Falls Ihr auch Empfehlungen habt, die thematisch in die gleiche Richtung abzielen, schreibt sie doch gerne in Kommentare. So lässt sich ein größeres Portfolio zusammenstellen.

Viele liebe Grüße und Selam

Eure Vanessa

2 Kommentare zu “Buchempfehlungen für muslimische Mütter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.