Muslimische Weihnachten?

„Mama! Es gibt den Nikolaus wirklich! WIRKLICH! Und der hat sogar einen Schlitten, und wenn ich meine Stiefel putzen würde, tut der da sogar Schokolade rein. Ja, Mama! Wirklich!“

Oooookay! So Vanessa, nun ist er da. Der Moment, für den du Dir schon seit Jahren die passende Antwort bereit gelegt hast. Du hast hundert Argumente bereit gelegt und Du bist bereit den verbalen Fight auf Dich zu nehmen. 😉

„Schau mal mein Schatz […]“

So fing mein Satz an. Ihr wollt nicht wissen, wie der Dialog weiter ging, denn es gibt einen klitzekleinen, aber wirklich ausschlaggebenden, Denkfehler in meinem doch eigentlich so wunderbar ausgetüftelten Plan.

Diskutiere niemals, nie nie niemals mit einem Vierjährigen! Vor allem nicht, wenn er sich seiner Sache WIRKLICH sicher ist. 

Ein kleiner Ausschnitt meiner gestrigen Unterhaltung mit Monsieur Milchbart. Kurz zur allgemeinen Aufklärung. Wir haben keine Stiefel geputzt, es gab keine Schokolade und wir haben uns darauf geeinigt, dass der Nikolaus nur christliche Familien besucht. Die muslimischen nicht, denn das wäre ja unfair, weil wir ja schon so viele Geschenke zum Ramadanfest und zum Opferfest bekommen.

Natürlich ist das ein Kompromiss. Eine Erklärung, die aktuell für sein kindliches Verständnis ausreicht und je nach Alter ausgebaut werden kann.

Wenige Worte im Vorfeld

Ich möchte vorweg greifen, dass unsere Einstellung zum Thema Weihnachten nicht obligatorisch für jeden Muslim gelten muss. Ich möchte weder jemanden in seinem Handeln einschränken, belehren oder gar verurteilen. Lediglich möchte ich aufzeigen, welchen Umgang wir pflegen und wie wir uns in einer interreligiösen Familie damit arrangiert haben, jedem ein Stück gerecht zu werden.

Feiern Muslime Weihnachten?

Weihnachten ist kein islamischer Feiertag und findet dementsprechend auch keinen Platz im islamischen Jahresablauf. Trotzdem, und das wissen die wenigstens Nicht-Muslime, nimmt Jesus auch im Islam eine essentielle Rolle ein. Er ist als Sohn der Maria, die ihn jungfräulich zu Welt brachte, einer der wichtigsten Propheten des Islam. Hier wird er neben Moses und Muhammed als einer der drei Gesandten gesehen, die von Gott eine heilige Schrift erhalten haben. Unterschieden wird jedoch im Punkt der Zusprechung der Göttlichkeit. Der Islam betrachtet Jesus nicht als Sohn Gottes, sondern als einen von Gott auserwählten Menschen – einen Propheten. Es gibt aus islamischer Perspektive also keinen Grund, seinen Geburtstag, also Weihnachten, zu feiern.

Trotzdem mag es Menschen mit islamischer Religionszugehörigkeit geben, die Weihnachten feiern. Sei es aus kulturellem Zugehörigkeitsgefühl, sei es aus interreligiöser Perspektive oder sei es einfach aus der Freude heraus Feste zu feiern. Wichtig ist an dieser Stelle bloß, beides nicht miteinander zu vermischen. Denn das eine ist die religiöse Grundlage, das andere das, was daraus gemacht wird. Dabei darf das eine nicht sinnbildlich für das andere stehen.

Weihnachten im Hause dattelbeere

Es gibt bei uns weder einen Adventskalender, weder einen Weihnachtsbaum, noch andere weihnachtliche Dekoration in der Wohnung. Aus religiöser Argumentation heraus bietet sich für mich keine Grundlage Weihnachten oder die Vorweihnachtszeit in unseren Familienalltag zu integrieren. Selbstverständlich thematisieren wir alle dazugehörigen Veränderungen, die Monsieur Milchbart außerhalb unserer vier Wände auffallen. Seien es die Lichterketten der Nachbarn, die pompösen Tannengestecke und bunten Kugeln im Kaufhaus, der Weihnachtsmarkt oder eben der Nikolaustag. All das geht natürlich nicht an ihm vorrüber und bedarf einiger Erklärungen. Und sind wir mal ehrlich! Ein gänzlich geschmückter, mit Lametta behangener Tannenbaum sieht einfach wunderschön aus. Da kann man nichts gegen halten. Trotzdem formuliere ich immer deutlich, dass ich das zwar alles wunderschön finde, wir als Muslime aber andere Feste und Dekorationen haben. Das klappt aktuell ganz gut.

Alternativen schaffen

Da kommen wir an einen Punkt, der mitunter ein Grund war, warum ich dattelbeere überhaupt ins Leben gerufen habe. Denn ich war lange selber auf der Suche. Im deutschsprachigen Raum gibt es einfach sehr wenige Angebote, die darauf abzielen Kindern die islamische Religionspraxis näher zu bringen. Vor allem in einer Form, die in unser kulturelles Gefüge passt. Wir müssen unseren Kindern einen Ausgleich schaffen und das Ramadanfest und das Opferfest ebenso prächtig wie Weihnachten und Ostern erscheinen lassen. Damit ist nicht gemeint, dass ich konsumgesteuerte islamische Feiertage provozieren möchte. Ganz im Gegenteil!

Heilig Abend

Da meine Familie, und damit meine ich meine Eltern & Co, eben aber keine Muslime sind, sondern katholische Christen, ist für sie das Weihnachtsfest natürlich der Höhepunkt im Jahr. An dieser Stelle mache ich nun eine Differenzierung, was das Weihnachtsfest angeht, denn für mich ist es eine Selbstverständlichkeit meine Eltern an den Weihnachtsfeiertagen zu besuchen, mit ihnen zu feiern und ihre Gäste zu sein. Dabei verbringen wir eine unheimlich schöne Familienzeit, die ich gar nicht missen möchte. Ich weiß, dass es viele Muslime gibt, die es strikt ablehnen einem Weihnachtsfest nur beizuwohnen oder gar Weihnachtsglückwünsche auszusprechen. Ich akzeptiere diese Art der Betrachtung vollkommen, denke aber, dass es förderlicher für unser multireligiöses Zusammenleben ist, aufeinander zu zugehen, anstatt sich wegzudrehen.

Differenzieren lernen

Ich finde es unglaublich wichtig, dass meine Kinder auch das andere Ende ihrer Wurzeln kennen. Dass sie wissen, dass Weihnachten für Oma und Opa ein wichtiger Tag ist und wir ihnen Gesellschaft leisten. Es ist für mich eine Art der Wertschätzung der Menschen, die ich liebe.

Vor allem aber sollen sie lernen zu differenzieren. Das geht nur, wenn ich Interreligiösität fördere und ihnen beibringe respektvoll mit jedem religiösen Feiertag umzugehen. Ich kann ihnen Weihnachten bei Oma und Opa nicht verbieten, in der Hoffnung, dass sie als Erwachsene niemals Weihnachten feiern werden. Das Einzige, was ich tun kann, ist es ihnen zu zeigen und zu erklären warum wir uns für eine andere Religion, einen anderen Lebensweg, entschieden haben. Dabei geht es mir darum ihnen so viel wie möglich an Wissen mitzugeben, das in Kombination mit ihrem Potential der Differenzierbarkeit von Sachverhalten, in Zukunft dazu beitragen möge, dass sie selbstbewusst den Weg einschlagen, den Gott für sie auserwählt hat.

Es kommen bestimmt noch Hürden auf uns zu und der zu Beginn angeführte Dialog über die WIRKLICHE Existenz des Nikolauses wird in den kommenden Jahren wahrscheinlich ausgeweitet werden und auch andere Dimensionen annehmen, aber ich fühle mich gut vorbereitet. Denn ich glaube, dass Kinder spüren, ob man als Erwachsener überzeugt ist von dem, was man tut. Und das bin. Viel mehr sogar seitdem ich Kinder habe.

Schreibt doch gerne hier unten in die Kommentare wie Ihr mit dem Thema Weihnachten umgeht. Unabhängig davon, ob Ihr ebenfalls aus einer interreligiösen Familie kommt, denn konfrontiert sind wir wohl alle irgendwie damit. Ich bin wirklich interessiert von Euch zu lesen, weil es ein so spannendes Themenfeld ist.

 

Ich wünsche Euch einen gesegneten Freitag und einen guten Start ins Wochenende!

Selam und liebe Grüße

Eure Vanessa

17 Kommentare zu “Muslimische Weihnachten?

  1. Britta sagt:

    Ma sha Allah, ich finde es ganz toll wie du das machst. Wir leben in Sharjah, VAE und bekommen von Weihnachten nur sehr wenig mit, alhamdulilah. In Deutschland ist es natuerlich etwas ganz anderes und ich wuerde es wohl auch so wie du machen.

    Liebe Gruesse, Britta

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Selam Aleikum liebe Britta,
      wow! Dass es mein Blog sogar bis in die Vereinigten Arabischen Emirate geschafft hat, freut mich aber sehr.
      Wahrscheinlich ist der Ramadan bei Euch eine sehr magische und besinnliche Zeit. Wenn das ganze Umfeld auf eine Festlichkeit eingestellt ist, fühlt man das ja umso intensiver. Vielen lieben dank für Deine Worte.
      Liebe Grüße
      Vanessa

  2. ESMA sagt:

    ♥️Meine Tocher wird 3, ist seit einpaar Monaten im Kiga.. und kann fast alle Weihnachtslieder auswendig?? gestern war der Nikolaus im Kiga, und sie war begeistert. Erst habe ich gesagt, dass wir Nikolaus ja nicht feiern etc. Aber sie war so überzeugt, weil er da war, und Geschenke mitgebracht hat.. habe gesagt,dass wir Muslime beten, bayram etc. Haben. Und dass nicht Muslime nicht beten usw.. Sie war einverstanden, und hat den ganzen Tag gesagt, dass wir kein Weihnachten feiern. Heute hat sie „In der Weihnachtsbäckerei “ gesungen??. Habe ganz schnell bemerkt, dass es dieses Jahr noch keinen Sinn hat, ihr etwas beizubringen.. sie macht das was sie im KIGA sieht.. habe überlegt, dass wir nächstes Jahr an Nikolaus sie zuhause lsssen.. keine ahnung ob das eine Gute Lösung ist..

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Selam Aleikum meine Liebe,
      ich fühle so mit Dir. Bei vielen meiner Erklärungsansätze habe ich auch gemerkt, dass mein Sohn mir einfach nicht folgen kann, weil manches einfach zu komplex ist. Ich habe aber die Hoffnung, dass das mit der Zeit und der Entwicklung seiner Auffassungsgabe einfacher wird. Da wir unsere Kinder ja nicht sozial isolieren können und wir nun einmal in einem Land leben, in dem diese Traditionen sehr lebhaft aufrecht erhalten werden, müssen wir uns wohl damit arrangieren, dass wir kontinuierlich in den Dialog gehen müssen mit unseren Kindern. Und ich bin mir sicher, sobald Deine Tochter den Bezug hergestellt hat, dass Bayram ihr Fest ist, das genauso viele Überraschungen mit sich bringt, wird sie Weihnachten und Nikolaus nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken. Hinzu kommt auch noch, dass die Kinder im Kindergarten sich natürlich gegenseitig „heiß“ machen und das wie ein Katalysator wirkt. In Gemeinschaft muslimischer Kinder am Nachmittag oder an den Wochenenden kann sich das ja genauso auf islamische Festlichkeiten auswirken.
      Das schaffen wir inshAllah.
      Viele liebe Grüße & Selam
      Vanessa

    • Luisa sagt:

      Liebe Esma,
      ich denke, es ist nie eine gute Lösung, die Kinder von Kindergarten oder Schule fernzuhalten, denn vor allem wenn sie älter sind, wird sich ihr Groll gegen ihre Religion richten, was nicht der Sinn unserer Erziehung sein sollte. Stattdessen würde ich betonen, dass da eine Geschichte erzählt wurde und natürlich immer wieder drüber sprechen, dass wir Muslime sind, was wir glauben, wie wir leben. Sie hat das Lied nicht gesungen, weil sie an die christlichen Grundlagen dahinter glaubt, sondern weil es einen lustigen und einprägsamen Text hat. Sie war nicht begeistert von dieser anderen Religion, sondern von der schauspielerischen Darbietung an diesem Tag im KIndergarten. Wäre da Biene Maja gekommen oder ein Clown, wäre sie sicher ebenso entzückt gewesen.
      Wir müssen meiner Meinung nach aufhören zu viel hinein zu interpretieren an den falschen Stellen. Wenn wir unseren Kindern schöne Erlebnisse mies machen, welche für sie eine ganz andere Bedeutung haben, dann erreichen wir gar nichts. Ich würde dazu raten, im Grundschulalter, wenn die Freude abgeebbt ist nach einem aufregenden Tag, mit den Kindern ins Gespräch zu gehen und zu erklären, warum es keinen Nikolaus oder Weihnachtsmann in unseren Geschichten gibt. Kinder in diesem Alter fangen an diese Sachverhalte zu verstehen. Und, was viel wichtiger ist als immer auf den schlechten Einfluss der bösen Welt da draußen zu schimpfen: selbst ein gutes Vorbild sein!

  3. UmmI sagt:

    Salamualaikum,

    danke für deinen Einblick!

    Auch ich neige manchmal dazu das Fest und die Vorbereitung darauf zu verharmlosen. Sind ja nur Lieder, ist ja nur Schokolade etc.. aber wenn man sich genau überlegt, was denn da gefeiert wird. Der Geburtstag vom Sohn Gottes. Ich fiebere also Tag für Tag (zB mit Adventskalender oder Kerzen, sales ohne Ende) diesem Ereignis hin, der Geburt von Gottes Sohn. Jeder Muslim sollte wissen, dass Shirk also die Beigesellung von anderen neben Gott eine der schwersten Sünden überhaupt ist. Das sollten wir uns und unseren kids als Muslime immer wieder in Erinnerung rufen.

    Ich halte deshalb auch nichts davon, diesen Festlichkeiten beizuwohnen. Mit meiner christlichen Oma versuchen wir das Familienfest immer ein paar Tage nach Weihnachten nachzuholen, damit sie nicht ganz so enttäuscht ist.

    Bei Nikolaus half es meiner Tochter ganz gut, ihr zu erklären, das der Nikolaus ein christlicher Heiliger ist, der auch meinte, dass Allah einen Sohn hat und zu ihm gebetet hat. Wollen wir so jemanden jetzt feiern? Außerdem ist er schon lange tot, es ist also eine Lüge, wenn er angeblich im Kiga Sachen verteilt. Bis jetzt klappt es soweit Alhamdulillah

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Aleikum Selam,
      vielen lieben Dank für Deine ausführliche Nachricht.:-)
      Also als Verharmlosung sehe ich das eigentlich nicht. Ich bin mir ja durchaus darüber im Klaren, warum Weihnachten aus islamischer Perspektive nicht funktioniert. Wichtig dabei ist meine Intention. Denn ich nehme ja nicht des Weihnachtsfestes Willen an der Feier teil, sondern aus Liebe zu meinen Eltern. Das sind für mich zwei verschiedene Sachen. Ich feiere somit auch kein Weihnachten, sondern bin lediglich Gast meiner Eltern. Das würde ich genauso tun, wenn meine Eltern sich dazu entscheiden würden den Frühlingsanfang als höchstes Fest im Jahr zu praktizieren.
      Denn Du änderst ja quasi auch nichts an dem Sinn Euerer Zusammenkunft bei Deiner Oma, wenn Ihr Euch ein paar Tage nach dem eigentlichen Heiligen Abend trefft.
      Ich hoffe ich konnte deutlich machen, was ich meine.
      Viele liebe Grüße & Selam
      Vanessa

  4. Jennifer sagt:

    MasAllah. Ich finde deine Denkweise wirklich toll weil ich bei vielen Dingen genauso denke. Manchmal ist es schwierig es jedem recht zu machen. Wenn man konvertiert ist steht man zwischen den Stühlen. Man will aus religiöser Sicht kein Weihnachten feiern und es den Kindern richtig beibringen, auf der anderen Seite steht die christliche Familie die sich gekränkt fühlt wenn man sie vollkommen außen vor lässt.
    Wenn jeder jedem einen Schritt zugeht ist es doch viel schöner.

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Selam Aleikum liebe Jennifer,
      leiben Dank für Deine Worte! Eben genau das ist das Dilemma, in dem sich viele Konvertiten befinden. InshAllah schaffen wir es, dass unsere Kinder zu aufrichtigen Menschen heranwachsen, die trotz Schwierigkeiten auf diesem Gebiet, im Erwachsenenalter die Bedeutung und den Wert der islamischen Feiertage verinnerlicht haben.
      Ganz liebe Grüße und Selam
      Vanessa

  5. Emel sagt:

    Liebe Vanessa,

    Ich finde deinen Ansatz sehr gut! Insbesondere in puncto Feste Feiern stimme ich dir voll und ganz zu. Ich erinnere mich an keinen Bayram, der so festlich war, wie Weihnachten immer auf mich gewirkt hat als Mädchen. Seinem Kind den Bayram so zu präsentieren, dass es sich nicht nach anderen Festen sehnt, ist sehr wichtig.
    Ich finde es nicht richtig seinem Kind die christliche Welt ganz zu verbieten (Bsp. Weihnachtslieder singen). Schließlich gehört es hier zur Kultur und zum kulturellen Wissen. Und nur weil es heute Weihnachtslieder singt, muss es für morgen nichts heißen. Ich war selbst in einem ev. Kiga, hab an Gottesdiensten teilgenommen und gerne – vor allem auch laut ^^ – christl. Lieder gesungen. Das alles hat aus mir heute keinen Christen gemacht.

    Auch wenn du nun andere Feste feierst und eine andere Lebensweise gewählt hast, bleiben sie deine Eltern. Besuche sie und genieße die Zeit. Deinem Sohn werden die Unterschiede zwischen den Familien gewiss auffallen. Mit der Zeit und nötigen Geduld wirst du sicher Wege finden, deinen Sohn darüber zu unterrichten. Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

    Liebe Grüße ❤️

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Selam liebe Emel,
      vielen Dank für Deine Nachricht und Deine lieben Worte. Ja, das ist wirklich kein einfaches Thema. Aber vielleicht auch, weil man sich zu viele Gedanken macht und die „aber was ist, wenn …“- Schablone über alles legt. Ein gesunder Mittelweg ist an dieser Stelle wohl die beste Lösung. ich bin mir sicher, dass wir das schon hinkriegen.
      Liebe Grüße
      Vanessa

  6. Hayriye sagt:

    Garnicht so einfach das Thema hier in DE. Mein Baby ist erst ein Jahr jung und versteht das ganze noch garnicht, doch mein Neffe 5Jahre, frägt jedes Jahr, ob es den Nikolaus wirklich wirklich nicht gäbe. Wir erklären es ihm immer wieder aufs neue. backen zusammen kekse mit Tierausstecher (bewusst keine Tannenbäume und Sterne) und er wenn er sich etwas wünscht und dieses Geschenk bekommt, wird ihm auch argumentiert wieso und weshalb (zb.: heute sehr brave gewesen, hat jemandem geholfen,..und das das Geschenk nichts mit Weihnachten zutun hat)

  7. Salma sagt:

    Salam liebe Vanessa,

    ich lasse meine Kinder im Kindergarten und Schule an allem teilnehmen, damit sie sich nicht ausgegrenzt fühlen, jedoch erkläre ich Ihnen zu Hause die muslimische Denkweise zu dem ganzen. Und dabei ist es für mich besonders wichtig, dass mein Sohn lernt auch Respekt gegenüber anderer Religionen entgegenzubringen.
    Meine Oma besuchen wir jedes Jahr am 2 Weihnachtsfeiertag und wir sitzen in der Zeit gemeinsam zusammen und essen Plätzchen. Es ist ein Beisammensein und wir haben uns auch bewusst gegen Geschenke etc entschieden, da es um die Wertschätzung gehen soll.

    • Vanessa Tanriverdi sagt:

      Aleikum Selam liebe Salma,
      das klingt großartig. Natürlich muss jede Familie ihren eigenen Weg finden damit umzugehen. Die Hauptsache ist ja, dass unsere Kinder den richtigen Umgang erlernen und das geht auf verschiedenste Weise. Wie Du schon schreibst, ist der respektvolle Umgang essentiell.
      Vielen lieben Dank für Deine Nachricht und Selam
      Vanessa

  8. Rebecca sagt:

    Guten Abend und Selam,
    Habe gerade diesen Blog entdeckt und freue mich sehr. In den nächsten Tagen werde ich wohl einiges lesen 🙂
    Das Thema Weihnachten ist ja jetzt wieder aktuell, auch wenn der Artikel bereits im letzten Jahr verfasst wurde. Vielleicht ist in diesem Jahr ja wieder einiges anders!?
    Ich persönlich merke von Jahr zu Jahr, wie wir uns als Familie Stück für Stück unseren eigenen Weg erarbeiten und daran wachsen dürfen (alhamdülillah). Wichtig ist meinen Jungs (inzwischen 9 und 6), dass der Nikolaus ja eigentlich Türke war 😉 Und genau wie bei St.Martin steht bei uns im Vordergrund, dass es hier um das Helfen und Teilen geht – egal wer und woher und welchen Glaubens jemand ist. Zu Weihnachten gibt es auch eine schöne Geschichte auf gruenebanane.de, die einen Vergleich zwischen muslimischer und christlicher Überlieferung bietet.
    Wo ich mir noch immer nicht ganz im Reinen bin, ist der Umgang mit Geschenken von und für die Verwandtschaft… Aber auch da werden wir inshallah irgendwann unseren Weg und unseren Frieden mit finden.
    Eine schöne Ferienzeit, Allaha emanet olun!

  9. Julia sagt:

    Hallo, auch wir sind eine interkulturelle Familie (deutsch-türkisch), wobei wir Muslime sind, aber das Umfeld (Eltern, Freunde) Christen. Wir haben zwei Töchter (14 und 5) an denen Weihnachten und Ostern natürlich nicht vorüberzieht. Nachdem ich selber jahrelang auf jegliches „Weihnachtsgedöns“ verzichtet habe, fehlte es mir mit den Jahren dann doch, einfach aus kulturellem Gefühl heraus, meine Familie ist nicht wirklich streng christlich, man geht auch nicht zur Kirche. Also habe ich für die Kinder dann doch wieder Adventskalender und Nikolaus eingeführt, einfach weil es eine schöne Zeit ist, allerdings mit dem Hinweis, daß Weihnachten zwar der Geburtstag von Jesus ist, der ein wichtiger Prophet für uns ist, jedoch nicht Gottes Sohn. Damit kommen wir alle gut klar und auch die Kleine versteht den Unterschied gut. Sie bekommen natürlich auch Geschenke von der Verwandtschaft und im Kindergarten wird gebastelt und gesunden, somit kann ich das Fest sowieso nicht unter den Tisch kehren. So oder so dürfte es sich ja auch um ein Fest eher heidnischen Ursprungs handeln und die meisten Bräuche haben eher kulturellen/historischen als religiösen Hintergrund. Genauso handhaben wir es mit Ostern, auch bei uns gibt es Eiersuchen im Garten. Ich denke es ist auch wichtig, den Kindern kulturelle Besonderheiten in Deutschland beizubringen und gleichzeitig zu erklären, daß es sich eben NUR um eine Kultur handelt, nicht um eine religiöse Überzeugung. Das hat dann für mich auch nichts mit „Jesus Gott gleichstellen“ zu tun, genausogut könnte man Geburtstage anderer Propheten feiern, damit hätte ich auch kein Problem. Abgesehen davon ist meine Kleine ein sehr großer „Jesus-Fan“, sie geht sehr gerne in Kirchen und interessiert sich für alles, was mit Gott zu tun hat. Ich könnte Jesus also nicht ausklammern, da sie das sofort merken würde. Da das bei uns zuhause eigentlich überhaupt kein Thema ist, muss sie es woanders herhaben (Kindergarten, Fernsehen ?) und im Endeffekt bin ich froh, daß sie überhaupt ein spiritueller Mensch ist, der sich für solche Dinge öffnet, die Spur findet sie mit der Entwicklung dann selber. Ich wünsche alle einen schönen Ramadan Abschluss!

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