Kulturunterschiede deutsch türkisch

Kulturunterschiede? Deutsche Kultur vs. türkische Kultur, klingt ja fast wie ein finaler Boxkampf im Schwergewicht. Ganz so dramatisch sieht es dann doch nicht im Hause dattelbeere aus. Auch wenn Kulturunterschiede unübersehbar sind, ist es wohl mehr ein Miteinander, als ein Gegeneinander. Mitunter ein Ziel von diesem Blog ist es, zu zeigen, was Interkulturalität in der Praxis bedeutet, und wie eine deutsch/türkische Familie den Islam in Deutschland lebt. Daher möchte ich Euch im heutigen Wort zum Freitag ein Stück mitnehmen und aus unserem Alltag erzählen.

Background

Die Familie meines Mannes kommt ursprünglich aus der Türkei. Ein großer Teil lebt heute noch dort, viele sind schon seit Jahrzehnten in Deutschland, einige wiederum in Belgien. Mein Mann selbst ist aber bereits in Deutschland geboren, aufgewachsen – das volle Programm.

Mich würde man wahrscheinlich im Rahmen des vergangenen Bundestagswahlkampfs als „Biodeutsche“ bezeichnen. Laut AfD Politiker Ralph Weber Voraussetzung, um sich für die deutsche Leitkultur einzusetzen. Doch mein Mindesthaltbarkeitsdatum scheint schon lange abgelaufen. 🙂

Kulturunterschiede Picknick auf dem Boden

Kulturunterschiede Zeit und Pünktlichkeit

Wir kommen eigentlich immer und überall hin zu spät. Während mein Mann die Gelassenheit in Persona ist, zwingt mich mein deutsches Pünktlichkeitsgen, alles daran zu setzen die Einladung auch ja zum vorgegebenen Zeitpunkt einzuhalten. Aber es hilft alles nichts. Mit zwei Kindern muss man sowieso schon jeweils +30 Minuten Verspätung einkalkulieren. Kommt dann noch die türkische Mentalität in meinem Mann durch, sind wir auch schon insgesamt bei 1,5 Stunden Verspätung angelangt. Die Devise meines Mannes: „Bloß nicht stressen! Wir haben doch Zeit.“ Zeit? Hallooo? Türkische Uhren laufen definitiv anders als deutsche. Hier werden Kulturunterschiede definitiv sichtbar.

Dieses Unbehagen, was sich in mir breit macht,  mich regelrecht von innen zuschnürt, kann von meinem Mann absolut nicht nachempfunden werden. Aber ich muss dazu sagen, ich habe mit der Zeit schon dazu gelernt und bin ruhiger geworden. Zumindest solange es türkische Gastgeber sind, denn die erwarten, so habe ich das Gefühl, dass man sich sogar etwas verspätet. 🙂

Sind wir bei deutschen Freunden oder gar bei meiner Familie eingeladen, ist oben beschriebenes Szenario vorprogrammiert. Meine Mutter ist seit einigen Jahren nun schon so weit gegangen, dass sie uns immer eine frühere Uhrzeit nennt, als den übrigen Gästen, wenn sie uns einlädt. Ich weiß das natürlich, was mir etwas den Druck nimmt. Mein Mann wird wohl jetzt überrascht sein, wenn er das hier liest. Obwohl ich mich frage, ob er sich noch nie gewundert hat, warum bei Festlichkeiten, die bei meinen Eltern stattfinden, auch noch Gäste nach uns erscheinen.

Kulturunterschiede Sesamring

Vanessa bleibt Vanessa

„Vanessa sen türk oldun ya!“ („Vanessa Du bist schon eingetürkt!“), sagte mal jemand zu mir. Ja das stimmt vielleicht sogar zum Teil und ich nehme es auch als Kompliment an. Denn für mich bedeutet das, dass ich es geschafft habe beide Kulturen miteinander zu verbinden. Aus Erfahrung  kann ich sagen, dass man seine eigene Kultur gar nicht gänzlich ablegen kann. Und das möchte ich auch nicht. Die deutschen Attribute wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Zielstrebigkeit – um nur ein paar zu nennen – sind Punkte, die so tief in mir verankert sind, dass sie zu mir gehören wie ein eigenes Körperteil.

Ebenso mein Name. Ich werde sehr oft darauf angesprochen, was denn mein islamischer Name sei. Es ist nicht unüblich, dass sich Menschen, die zum Islam konvertieren, einen neuen Namen aussuchen, der eine islamische Bedeutung hat. Ich kann die Intention und die Ideologie, die dahinter steckt vollkommen nachvollziehen, trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Mein Name gehört seit meiner Geburt zu mir, meine Eltern haben ihn mit Bedacht für mich gewählt, er ist ein Teil von mir. Ein Teil, über den ich mich identifiziere.

Kulturunterschiede gefüllter Sesamring

Unser Alltag ist ein Zusammenfluss beider Kulturen. Und das finde ich wunderbar, denn die Vielfalt macht das Leben bunter. Wir versuchen beides miteinander zu kombinieren, manchmal auch uns zu arrangieren. Aber am Ende machen wir immer das Beste daraus und können im Nachhinein darüber lachen.

Und nun zu den Bildern:

Ein Picknick auf dem Küchenboden. Baumwolltischdecke, Sesamring, Schwarztee (Monsieur Milchbart natürlich Früchtetee), Stoffservierten, Besteck, Tulpen… Na? Wer erkennt deutsches und wer türkisches Kulturgut? Oder kann man das überhaupt so pauschalisieren? Schreibt doch gerne in die Kommentare, ob Ihr auch Erfahrungen in der Art gesammelt habt. Monsieur Milchbart fand es übrigens großartig auf dem Fußboden zu essen. Sehr empfehlenswert und etwas, das wir jetzt öfters machen werden.

Ich wünsche Euch einen gesegneten Freitag! Sodass wir dazu beitragen können, dass unsere Kulturen miteinander verschmelzen und wir voneinander lernen und uns annähern, anstatt uns zu distanzieren.

Selam Aleikum 

Eure Vanessa

Das letzte Wort zum Freitag findet Ihr übrigens hier.

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